CDU-Fraktion stellte Kulturstrategie 2030 vor.

Die CDU-Landtagsfraktion hat am 31. März 2026 im KuBa Saarbrücken ihre Kulturstrategie für das Saarland präsentiert.

Der Saal im KuBa, dem Kulturzentrum am EuroBahnhof in Saarbrücken, war gut besetzt. Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus dem Kultur- und Kreativbereich des Landes. Der Fraktionsvorsitzende Stephan Toscani eröffnete den Abend mit einer Begrüßungsrede, die den kulturpolitischen Rahmen absteckte. Sein klarer Befund: Das Saarland stehe an einem historischen Wendepunkt. Wirtschaftliche, strukturelle und demografische Umbrüche vollzögen sich gleichzeitig – und genau deshalb, so der Fraktionsvorsitzende, müsse das Potenzial des Landes entschlossener genutzt werden.

Eine Kraft dabei werde noch immer unterschätzt: die Kultur. Er verwies dabei auch auf einen Satz, den er als damals als zuständiger Kulturminister bereits 2011 im Vorwort zum Kreativwirtschaftsbericht Saarland verfasst hatte: Was er damals als „weichen Standortfaktor“ beschrieben habe, reiche heute nicht mehr aus. „Kultur ist kein weicher Faktor. Sie ist ein harter“, so Stephan Toscani.

Mit Bezug auf die UNESCO-Definition von 1982 (Mexiko-Stadt) skizzierte Toscani einen erweiterten Kulturbegriff, der weit über Bühne und Museum hinausreicht: Hochkultur, Popkultur, Industriekultur, Kulinarik, Games und Urban Art — all das sei Kultur, all das sei Saarland. Wer das eine gegen das andere ausspielen wolle, verschenke enormes Potenzial.

Im Gegensatz zu den vagen Kulturleitlinien der Landesregierung formulierte Stephan Toscani vier konkrete Leitprinzipien der CDU-Kulturstrategie: Erstens Kultur, Wirtschaft, Bildung und Tourismus als Einheit zu denken. Zweitens die gezielte Sichtbarmachung kultureller Exzellenz mit internationaler Strahlkraft. Drittens die Stärkung der Breitenkultur als Grundlage jeder Spitzenleistung. Und viertens den Aufbau professioneller Strukturen und klarer kulturpolitischer Steuerung.

Im Anschluss richtete Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt einige Grußworte an die Gäste. Als Vertreter der Landeshauptstadt, die wirtschaftliches, politisches und kulturelles Zentrum des Saarlandes zugleich ist, unterstrich er die Bedeutung einer ambitionierten Kulturpolitik für die gesamte Region. Seine Anwesenheit an diesem Abend unterstrich das breite Interesse, das die Kulturstrategie 2030 auf sich zieht.

Den Hauptteil des Abends gestalteten die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Jutta Schmitt-Lang, und Prof. Dr. Meinrad Maria Grewenig, ehemaliger Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, im dialogischen Wechsel. Grewenig, der maßgeblich an der inhaltlichen Ausarbeitung der Strategie beteiligt war, gilt als eine der profiliertesten Stimmen der Kulturpolitik weit über das Saarland hinaus.

Die Präsentation gliederte sich in zwei Blöcke und entfaltete insgesamt 13 Themenfelder, von strukturellen Reformen bis hin zu konkreten kulturellen Leuchttürmen. Jutta Schmitt-Lang eröffnete den ersten Block mit der Kernforderung nach einem Kulturentwicklungsplan nach luxemburgischem Vorbild – ein klares Gegenprogramm zu den als unzureichend bewerteten Kulturleitlinien der Landesregierung. Darüber hinaus plädierte sie für die Etablierung von Exzellenzclustern in Bereichen, in denen das Saarland bereits besondere Stärken aufweist: Film, Urban Art, Pop und Jazz sowie Industriekultur und Fantastik. Zugleich sollen neue Genres wie Gaming und Künstliche Intelligenz als kulturelle Felder anerkannt und gefördert werden. Ein weiterer Schwerpunkt: Kultur in der Fläche. Lokale Kulturanker sollen gestärkt, die Vereinskultur entlastet werden, denn sie ist das lebendige Fundament der kulturellen Gemeinschaft im Land.

Professor Grewenig übernahm mit einem unerwarteten Bild: Er spannte den Bogen zu Stijn Celis‘ Inszenierung von Prokofjews „Cinderella“ am Saarländischen Staatstheater. Das Saarland, so Grewenig, sei selbst ein Cinderella unter den Bundesländern: mit verborgenen Schätzen, die noch nicht zur Geltung kämen. Als Beispiel für ungenutzte Potenziale nannte Grewenig die Familie Boch und Villeroy & Boch: Anna Boch, die 1890 in Brüssel Vincent van Goghs Gemälde „Der Rote Weinberg“ für 400 Franc erwarb – der einzige namentlich belegte Lebzeitenverkauf eines van-Gogh-Werkes –, sei trotz ihrer Herkunft aus Mettlach im Saarland erstaunlich wenig präsent. Eine Ausstellung dazu, so Professor Grewenig, hätte das Potenzial für sehr hohe Besucherzahlen und wäre wirtschaftlich tragfähig.

Kritisch setzte sich Professor Grewenig mit dem im März 2026 aufgelegten neuen Games-Förderprogramm auseinander: Während dieses einer Subventionslogik folge, setze das CDU-Konzept auf eine Investitionslogik mit Rückfluss, ein grundlegender Paradigmenwechsel in der Kulturförderung. Mit einem visionären Ausblick schloss er seinen Teil: Van Gogh, Games, Saarkohlenwald, Völklinger Hütte, Frank Farian, Powerwolf, Schwenkbraten – das alles zusammen ergebe ein unverwechselbares kulturelles Profil. „Die Schätze liegen da. Die Geschichten warten. Wir müssen es wollen.“

Den Abschluss des offiziellen Programmteils gestaltete Jutta Schmitt-Lang mit einer kurzen Überleitung zu einer partizipativen Mitmachaktion: Das Publikum war eingeladen, selbst zum Mitgestalter zu werden. Das Konzept des „atmenden Papiers“ machte damit die Kulturstrategie von Beginn an zur Gemeinschaftsaufgabe.

Im Anschluss verlagerte sich das Geschehen in die Lounge. Bei Getränken und angeregten Gesprächen fanden Fachleute aus Kulturinstitutionen, Kreativwirtschaft, Kommunalpolitik und Zivilgesellschaft zusammen. Der Abend bot reichlich Gelegenheit zum echten Dialog – und zeigte, dass das Interesse an einer ernsthaften Kulturpolitik für das Saarland groß und lebhaft ist.

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