Ein besonderer Abend im Landtag des Saarlandes: Über 150 Gäste folgten am Montagabend (26.01.26) der Einladung der CDU-Landtagsfraktion zu ihrer Jubiläumsfeier. 70 Jahre CDU-Fraktion – das bedeutete an diesem Abend nicht nur einen Blick zurück auf Erreichtes, sondern vor allem auch einen selbstbewussten Blick nach vorn.
„Ich freue mich ganz besonders, dass so viele Weggefährtinnen und Weggefährten aus den vergangenen Jahrzehnten unserer Einladung gefolgt sind“, so der Fraktionsvorsitzende Stephan Toscani. Und in der Tat: Das große Restaurant des Landtags glich einem Who-is-Who der saarländischen Christdemokratie der vergangenen Jahrzehnte.
Verdiente Gästeschar versammelt sich
Der Parlamentarische Geschäftsführer Raphael Schäfer hatte zuvor die besondere Gästeschar begrüßt: Darunter die ehemaligen Ministerpräsidenten Annegret Kramp-Karrenbauer und Tobias Hans, die ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Alexander Funk, Klaus Meiser und Jürgen Schreier sowie zahlreiche ehemalige Abgeordnete, Minister und Staatssekretäre. Auch Judith Ley, die Ehefrau des verstorbenen Landtagspräsidenten Hans Ley, und Gaby Schwarz, die Frau des verstorbenen Fraktionsvorsitzenden Günter Schwarz, waren unter den Gästen – ein bewegendes Zeichen der Verbundenheit über Generationen hinweg.
Viele frühere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fraktion waren ebenfalls gekommen, um gemeinsam mit den politischen Akteuren an sieben Jahrzehnte parlamentarische Arbeit zu erinnern. „Menschen, die tiefe Spuren hinterlassen haben und deren Prägekraft bis in die Gegenwart hineinreicht“, wie Stephan Toscani betonte.
Peter Jacoby: Fakten und Anekdoten mit intellektuellem Anspruch
Ein Höhepunkt des Abends bildete die Festrede von Peter Jacoby, ehemaliger Fraktionsvorsitzender und auch CDU-Landesvorsitzender, langjähriger Minister und stellvertretender Ministerpräsident des Saarlandes. In seiner gewohnt eloquenten und zugleich unterhaltsamen Art ließ er die vergangenen 70 Jahre Revue passieren – eine Mischung aus präzisen Fakten und persönlichen Anekdoten, die das Publikum in ihren Bann zog.
Peter Jacoby erinnerte an den historischen Zusammenschluss von CDU und CVP, die Fusion des christlichen Lagers, die den Grundstein für den Erfolg der Union im Saarland legte. „Wirtschaftskompetenz und Sozialkompetenz – immer wenn diese Balance gewahrt war, lief es gut für uns als CDU“, analysierte er.
Besonders eindringlich betonte Peter Jacoby die Frankreich- und Europa-Orientierung, die von Anfang an essenziell für die CDU Saar gewesen sei. Das Saarstatut sei keine Ablehnung Europas gewesen, sondern vielmehr Ausgangspunkt des Anspruchs, als Bundesland Saarland die deutsch-französische und europäische Einigung voranzutreiben – ein Auftrag, der bis heute Bestand habe.
Auch die politischen Pionierleistungen der CDU Saar fanden Erwähnung: In der Bildungspolitik habe Werner Scherer als Vorreiter die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung erkannt. In der Umweltpolitik etwa seien Berthold Budell und Klaus Töpfer ihrer Zeit bereits voraus gewesen.
Mit Blick auf die aktuelle Oppositionsrolle der Fraktion erinnerte Peter Jacoby an die Rückeroberung der Regierungsmehrheit aus der Opposition im Jahr 1999 – eine Leistung, die Hoffnung für die Zukunft mache. Sein Fazit: „70 Jahre CDU-Landtagsfraktion: Das bedeutet für mich Stolz auf das Erreichte, Dankbarkeit, dabei gewesen zu sein, und Hoffnung und Zuversicht auf das, was vor uns liegt.“
Stephan Toscani: Wir stehen für Verantwortung fürs Saarland
In seiner Ansprache griff der Fraktionsvorsitzende Stephan Toscani den Gedanken der Geschlossenheit auf: „Wir wollen unsere Maximen in die Zukunft weitertragen. Eine davon ist, das haben wir aus Peter Jacobys Rede deutlich herausgehört: unser ureigener Charakter als Union.“ Wie schon bei der Zusammenführung von CDU und CVP stehe die Partei auch heute für das Verbindende: „Wir stehen nicht für die Spaltung unserer Gesellschaft. Wir stehen auch in Zukunft dafür, Gegensätze – echte oder scheinbare – miteinander zu versöhnen und auf ein gedeihliches Miteinander hinzuwirken.“
Dieser Geist durchziehe beispielsweise das Wirtschaftspapier, das er Anfang des Jahres präsentiert habe, so Stephan Toscani: „Dort steht ganz klar, dass wir berufliche und akademische Bildung als gleichwertig erachten. Dass wir keinen Keil zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer treiben. Dass wir die Industrie nicht gegen den Mittelstand ausspielen, sondern beides gleichermaßen fördern. Und dass wir das Verhältnis zwischen Staat und Bürger auf gegenseitigem Vertrauen gründen, nicht auf ausufernder Bürokratie.“
Zudem ging Stephan Toscani auf wichtige Projekte der Fraktionsarbeit in der laufenden Legislaturperiode ein, unter anderem die Änderung der Landesverfassung, um sie gegen all jene zu stärken, die unsere Demokratie aushöhlen wollen, um unsere Verantwortung gegenüber unserer Geschichte zu unterstreichen und um darin den besonderen Auftrag des Saarlandes für die deutsch-französische Freundschaft und die europäische Einigung festzuschreiben.
Deutliche Wirtschaftskritik an der SPD-Regierung
Doch der Fraktionsvorsitzende fand auch deutliche Worte zur aktuellen Lage: „Grundlage für ein gutes Zusammenleben im Saarland ist eine prosperierende Saarwirtschaft. Davon sind wir allerdings derzeit meilenweit entfernt.“ Das Saarland befinde sich in einer schweren Wirtschaftskrise, die zugegebenermaßen auch, aber längst nicht nur mit externen Faktoren zu tun habe.
„Das hat auch damit zu tun, dass die SPD inzwischen seit 14 Jahren, seit 2012, die Wirtschaftspolitik im Saarland verantwortet“, kritisierte er. Sein Fazit war unmissverständlich: „Das Land braucht wieder eine kluge und entschlossene Wirtschaftspolitik. Das Land braucht wieder eine CDU-geführte Landesregierung!“
Festlicher Ausklang mit großem Wiedersehen
Im Anschluss an die offiziellen Reden bot ein festlicher Stehempfang mit Imbiss und musikalischer Unterhaltung durch ein Quartett des JugendJazzOrchester Saar Gelegenheit zu intensiven Gesprächen. Überall im Saal begegneten sich Menschen, die sich zum Teil seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatten. Die Freude über die Wiedersehen war greifbar – Erinnerungen wurden ausgetauscht, alte Anekdoten aufgewärmt, und manch einer mag sich gefragt haben, wo die Zeit geblieben ist.
Es war ein besonderer Abend in der 70-jährigen Geschichte der CDU-Landtagsfraktion – ein Abend, der zeigte, dass Politik nicht nur aus Sachfragen und Debatten besteht, sondern auch aus menschlichen Beziehungen, aus Gemeinschaft und aus dem Gefühl, gemeinsam etwas bewegt zu haben. Und der zugleich deutlich machte: Die „CDU-Familie“ im Saarland ist bereit, auch die kommenden Herausforderungen anzupacken.