Zu den erneut gestiegenen Zahlen der Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen im Saarland erklären die familienpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Dagmar Heib, und der für den Kinderschutz zuständige stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Alwin Theobald:
„Hinter jeder Inobhutnahme steht ein Kind oder ein Jugendlicher in einer schweren persönlichen oder familiären Krisensituation. Diese Entwicklung muss uns alle alarmieren. Deshalb dürfen die steigenden Zahlen weder für vorschnelle Schuldzuweisungen instrumentalisiert noch achselzuckend hingenommen werden. Jede Inobhutnahme ist ein Signal dafür, dass Familien früher erreicht und besser unterstützt werden müssen.“
Dagmar Heib erklärt:
„Familien geraten aus ganz unterschiedlichen Gründen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Psychische Erkrankungen, finanzielle Sorgen, Trennungen, fehlende Betreuungsmöglichkeiten oder mangelnde Unterstützung im Alltag können sich gegenseitig verstärken. Wer Kinder wirksam schützen will, muss Familien frühzeitig erreichen und ihnen verlässliche sowie unbürokratische Hilfen anbieten.
Die Stärkung der Lotsendienste und der Frühen Hilfen an den saarländischen Geburtskliniken ist deshalb ein richtiger Schritt, den wir ausdrücklich begrüßen. Frühzeitige Unterstützung darf jedoch nicht nach den ersten Lebensmonaten enden. Familien brauchen eine verlässliche Hilfekette – von der Schwangerschaft und Geburt über Kita und Schule bis hinein in die Jugendphase. Prävention ist der wirksamste Kinderschutz.“
Alwin Theobald ergänzt:
„Die Inobhutnahme ist eine unverzichtbare Schutzmaßnahme, wenn das Wohl eines Kindes akut gefährdet ist. Dass die Jugendämter in solchen Situationen konsequent handeln, ist richtig und notwendig. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugendämter, den Bereitschaftspflegefamilien sowie allen Einrichtungen, die kurzfristig Verantwortung für betroffene Kinder und Jugendliche übernehmen, gebührt unser ausdrücklicher Dank und großer Respekt.
Gleichzeitig muss uns die Entwicklung im Saarland nachdenklich stimmen. Seit 2022 ist die Zahl der Inobhutnahmen deutlich gestiegen. Die Landesregierung darf sich deshalb nicht auf die reine Statistik beschränken. Sie muss gemeinsam mit den Landkreisen und dem Regionalverband die Ursachen dieser Entwicklung umfassend analysieren und überprüfen, ob die bestehenden Hilfesysteme den steigenden Anforderungen überhaupt noch gerecht werden.
Kinderschutz endet nicht mit der Entscheidung zur Inobhutnahme. Wir müssen uns ehrlich fragen, ob das Saarland auf diese Entwicklung ausreichend vorbereitet ist. Es muss überprüft werden, ob die vorhandenen Kapazitäten den steigenden Bedarf überhaupt noch bewältigen können. Dazu gehören ausreichend Bereitschaftspflegefamilien, geeignete stationäre Plätze sowie qualifiziertes Fachpersonal in den Jugendämtern und bei den freien Trägern. Kinder, die aus ihrer Familie genommen werden müssen, brauchen nicht nur Schutz, sondern auch Stabilität, Betreuung und eine verlässliche Perspektive.“
Heib und Theobald fordern deshalb eine anonymisierte Auswertung der Inobhutnahmen nach Altersgruppen, Regionen und Gefährdungslagen. Darüber hinaus müsse das Land gemeinsam mit den kommunalen Jugendhilfeträgern eine umfassende Bestandsaufnahme der bestehenden Hilfsangebote vornehmen und auf dieser Grundlage einen konkreten Ausbauplan für die Kinder- und Jugendhilfe dort vorlegen, wo Kapazitätsengpässe bestehen.
„Wir brauchen einen landesweiten Kinderschutz- und Präventionsplan, der verbindlich regelt, wie Geburtskliniken, Kinderärzte, Kitas, Schulen, Beratungsstellen und Jugendämter künftig noch enger zusammenarbeiten. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass nach einer notwendigen Inobhutnahme ausreichend Hilfs- und Betreuungsangebote zur Verfügung stehen. Kinderschutz darf nicht an fehlenden Kapazitäten scheitern.“
Abschließend betonen Dagmar Heib und Alwin Theobald:
„Wo Kinder unmittelbar gefährdet sind, muss der Staat entschlossen handeln. Unser Anspruch muss aber sein, Krisen möglichst früh zu erkennen und Familien so zu unterstützen, dass eine Trennung von Eltern und Kindern nach Möglichkeit verhindert werden kann. Wo eine Inobhutnahme unvermeidbar ist, müssen wir sicherstellen, dass jedes betroffene Kind schnell einen geeigneten und sicheren Platz sowie die notwendige Betreuung erhält. Nachhaltiger Kinderschutz beginnt lange vor einer Inobhutnahme und darf auch nach ihr nicht enden.“
Hintergrund:
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Saarland im Jahr 2025 insgesamt 642 Kinder und Jugendliche von den Jugendämtern in Obhut genommen. Im Jahr 2024 waren es 615, im Jahr 2023 599 und im Jahr 2022 457. Als häufigster Anlass wurde die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils genannt. Die Entwicklung verdeutlicht aus Sicht der CDU-Landtagsfraktion, dass sowohl die Prävention als auch die Kapazitäten der Kinder- und Jugendhilfe konsequent weiterentwickelt werden müssen.