Neue Krankenhausstudie bestätigt wachsende Warnsignale zu Cannabis – Bundesregierung muss endlich handeln Theobald: Gesundheits- und Jugendschutz müssen wieder Vorrang haben.

Alwin Theobald Beitragsfoto

Zu einer aktuellen bundesweiten Zeitreihenanalyse über die Entwicklung cannabisbedingter Krankenhausaufnahmen seit Inkrafttreten der Teillegalisierung erklärt der stellvertretende Vorsitzende und gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion im Saarländischen Landtag, Alwin Theobald:

„Die neuen Krankenhausdaten sind ein weiteres ernstes Warnsignal. Sie reihen sich in eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Erkenntnisse ein. Krankenhausstatistiken, Krankenkassendaten, aktuelle Studien sowie die Erfahrungen der behandelnden Ärztinnen und Ärzte zeichnen zunehmend ein einheitliches Bild: Die Hinweise auf wachsende gesundheitliche Belastungen im Zusammenhang mit der Cannabis-Teillegalisierung verdichten sich.

Besonders aufmerksam müssen uns die Entwicklungen bei jungen Menschen machen. Unmittelbar nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes stiegen die Krankenhausaufnahmen wegen cannabisbedingter Vergiftungen und Psychosen bei Jugendlichen zunächst deutlich stärker an als bei Erwachsenen. Auch wenn sich dieser Anstieg im weiteren Verlauf statistisch wieder abschwächte, zeigt die Entwicklung, wie sensibel gerade junge Menschen auf eine erhöhte Verfügbarkeit und die gesellschaftliche Verharmlosung von Cannabis reagieren können. Beim Jugend- und Gesundheitsschutz dürfen wir deshalb keinerlei Risiko eingehen.

Bei Erwachsenen blieb die Zahl der Krankenhausaufnahmen dauerhaft auf einem höheren Niveau. Nach den Ergebnissen der Studie kam es bundesweit innerhalb eines Jahres zu rund 1.400 zusätzlichen Krankenhausaufnahmen. Besonders häufig nahmen cannabisbedingte Vergiftungen und cannabisinduzierte Psychosen zu. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch, dessen Gesundheit und Lebensweg dauerhaft beeinträchtigt werden kann.

Die Autoren der Studie weisen zwar darauf hin, dass ihr Studiendesign keinen abschließenden Kausalitätsnachweis zulässt, betonen gleichzeitig aber, dass die Untersuchung trotzdem deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Teillegalisierung liefert. Diese Warnsignale dürfen wir nicht ignorieren. Sie decken sich mit den Eindrücken, die wir bei unserem Besuch am Universitätsklinikum des Saarlandes sowie in den Beratungen des Ausschusses für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit gewonnen haben: Behandelnde Ärztinnen und Ärzte haben jeweils eindringlich von einer zunehmenden Zahl akuter cannabisbedingter Krankheitsbilder berichtet.

Hinzu kommen die Ergebnisse der aktuellen Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit sowie Auswertungen der Kaufmännischen Krankenkasse, die ebenfalls auf steigende gesundheitliche Belastungen hinweisen. Jede einzelne Untersuchung für sich genommen mag die Debatte nicht abschließend entscheiden. Wenn jedoch wissenschaftliche Studien, Krankenkassendaten und die Erfahrungen aus der medizinischen Praxis zunehmend in dieselbe Richtung weisen, muss Politik handeln.

Besonders kritisch sehen wir darüber hinaus die Entwicklung beim Medizinalcannabis. Seit der Herausnahme aus dem Betäubungsmittelgesetz hat sich ein Markt entwickelt, auf dem Cannabisblüten teilweise bereits nach einem kurzen Online-Fragebogen und ohne persönlichen Arztkontakt verschrieben werden. Das hat mit einer verantwortungsvollen medizinischen Versorgung nur noch wenig zu tun und öffnet Missbrauch Tür und Tor.

Cannabis ist für bestimmte schwerkranke Menschen ein wichtiges Arzneimittel. Gerade deshalb muss sichergestellt werden, dass Medizinalcannabis ausschließlich nach einer sorgfältigen ärztlichen Indikationsstellung und im persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt verordnet wird. Missbrauch und Scheinverordnungen dürfen nicht zum Geschäftsmodell werden.

Die bisherigen Erfahrungen bestätigen unsere Einschätzung: Die Teillegalisierung war ein Fehler. Der Schwarzmarkt wurde nicht wirksam zurückgedrängt, die Anbauvereinigungen spielen weiterhin nur eine untergeordnete Rolle und gleichzeitig verdichten sich die Hinweise auf gesundheitliche Risiken. Für uns als CDU-Landtagsfraktion Saar bleibt deshalb klar: Die Teillegalisierung war ein Fehler und sollte grundsätzlich wieder rückgängig gemacht werden. Solange es hierfür auf Bundesebene keine politische Mehrheit gibt, müssen zumindest der Jugend- und Gesundheitsschutz deutlich gestärkt, hochpotente Cannabisprodukte wirksam begrenzt und die Fehlentwicklungen beim Medizinalcannabis konsequent beendet werden.“

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