Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion zur Lehrkräfteversorgung und zum fachfremden Unterricht (Drucksache 17/2320) zeigt erhebliche Defizite bei der Personalsteuerung im saarländischen Bildungswesen, insbesondere an den Gemeinschaftsschulen. Sie macht deutlich, dass in vielen Fächern in erheblichem Umfang fachfremd unterrichtet wird, die Landesregierung den tatsächlichen Bedarf an Fachlehrkräften nicht belastbar beziffern kann und wesentliche Steuerungsdaten für eine zielgerichtete Personalplanung fehlen. Dazu erklärt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Jutta Schmitt-Lang:
„Die SPD-Alleinregierung hat sich große Mühe gegeben, die tatsächliche Lage hinter Tabellen, Berechnungsmethoden und methodischen Besonderheiten zu verstecken. Wer die Antwort genau liest, kommt aber zu einem klaren Ergebnis: Das eigentliche Problem sind nicht nur zu wenige Lehrkräfte. In vielen Fächern fehlen offenbar die entsprechend qualifizierten Lehrkräfte, sodass Unterricht in erheblichem Umfang von Lehrkräften ohne die jeweilige Fachlehrbefähigung übernommen wird. Kurz gesagt: In einer Vielzahl von Fällen unterrichtet zum Beispiel der Chemielehrer Mathematik oder die Englischlehrerin Französisch.
Gerade an den Gemeinschaftsschulen zeigt sich ein alarmierendes Bild. Allein in der Sekundarstufe I werden mehr als 5.000 Unterrichtsstunden pro Woche fachfremd erteilt. Besonders betroffen sind Fächer wie Mathematik, Kunst, Musik oder Arbeitslehre. Fachfremder Unterricht mag im Einzelfall nötig sein. In diesem Umfang ist er jedoch Ausdruck eines strukturellen Versagens.
Wenn Schülerinnen und Schüler über Jahre hinweg in zentralen Fächern von Lehrkräften unterrichtet werden, die dafür gar nicht ausgebildet sind, darf sich niemand über sinkende Bildungsleistungen wundern. Gute Bildung braucht gut ausgebildete Fachlehrkräfte.
Besonders gravierend ist, dass das Bildungsministerium die eigentliche Kernfrage selbst nicht beantworten kann oder will. Die Landesregierung räumt ein, dass ihre Berechnungen keine belastbare Aussage darüber zulassen, wie groß der Mangel an qualifizierten Fachkräften in den einzelnen Fächern tatsächlich ist. Wer aber nicht weiß, wo wie viele Mathematik-, Physik- oder Französischlehrkräfte genau fehlen, kann Personal auch nicht zielgerichtet steuern.
Der aktuelle Sonderbericht des Rechnungshofs bestätigt, dass es erhebliche Defizite in der Personalverwaltung gibt. Er kritisiert unter anderem veraltete IT-Strukturen, Doppelerfassungen und sogenannte Schatten-IT. Wer bei der IT hinterherhinkt, kann auch bei der Personalsteuerung nicht vorne liegen.
Generell agiert das Ministerium offensichtlich ohne Konzept und setzt vor allem auf Trostpflaster wie Nachqualifizierungen und organisatorische Lösungen, teils mit haarsträubenden Argumenten. So wird etwa der fachfremde Französischunterricht durch Spanischlehrkräfte mit ähnlicher Fremdsprachendidaktik und der Sprachverwandtschaft begründet. Ähnliche Didaktik ersetzt aber keine entsprechende Lehrbefähigung. Es fehlen die entsprechende Sprachkompetenz und der erforderliche Wortschatz. Wer dauerhaft auf fachfremden Unterricht angewiesen ist, verwaltet nur den Notstand, anstatt ihn zu beseitigen.
Nach 14 Jahren SPD-geführter Bildungspolitik zeigt sich immer deutlicher: Es fehlt nicht nur an Lehrkräften, sondern vor allem an einer funktionierenden Steuerung. Die Regierung Rehlinger kehrt die Probleme in der Lehrkräfteversorgung im Saarland unter den Teppich: Kein Plan für vorausschauende Personalplanung, kein Konzept zur Fachkräfteanwerbung, keine Steuerung des fachgerechten Einsatzes von Lehrkräften an den Schulen. Die Leidtragenden sind die Schülerinnen und Schüler.
Das Saarland braucht endlich eine Bildungspolitik, die Probleme nicht ignoriert, sondern löst. Ich habe kein Vertrauen mehr, dass die SPD diesen Kurswechsel noch schafft. Dafür braucht es nach der Landtagswahl 2027 einen echten Neustart in der saarländischen Bildungspolitik.“