Die CDU-Landtagsfraktion fordert eine grundlegende Neuaufstellung der schulischen Inklusion im Saarland. Ihre Bilanz ist eindeutig: Nicht die Idee der Inklusion ist gescheitert, sondern ihre bisherige Umsetzung. Mit einem 5-Punkte-Plan legt die Fraktion konkrete Vorschläge für einen Neustart vor, damit Kinder mit Förderbedarf endlich die Unterstützung erhalten, die sie tatsächlich brauchen. Dazu erklären die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Jutta Schmitt-Lang, und der Bildungsexperte Frank Wagner:
„Ein Kind ist nicht deshalb gut gefördert, weil es statistisch in einer Regelklasse geführt wird. Entscheidend ist, was im Unterricht tatsächlich bei ihm ankommt. Und genau hier liegen die Probleme. Das Bildungsministerium, das seit 2012 in SPD-Hand liegt, hat es nicht geschafft, die notwendigen personellen und strukturellen Voraussetzungen für eine verlässliche Inklusion zu schaffen.
Rechnerisch stehen einer Grundschulklasse pro Woche nur rund zwei Stunden und 20 Minuten, einer Gemeinschaftsschulklasse knapp drei Stunden Unterstützung durch eine Förderschullehrkraft zur Verfügung. Ein Teil dieser ohnehin knappen Zeit wird zudem für Beratung, Förderplanung, Organisation und Vertretungen benötigt. Beim einzelnen Kind kommt damit noch deutlich weniger an. Das ist Inklusion auf dem Papier, aber keine verlässliche Förderung im Klassenzimmer. Wenn die notwendige sonderpädagogische Unterstützung fehlt, leiden am Ende alle darunter: die Kinder mit Förderbedarf, die gesamte Klasse und die Lehrkräfte.
Gleichzeitig besuchten im Schuljahr 2025/26 bereits 4.101 Kinder eine Förderschule. Das sind 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch wurden nach unserer Auswertung 235 Planstellen aus dem Förderschulbereich verlagert. Zusätzlich werden rund 50 Förderschullehrkräfte an inklusiven Schulen eingesetzt. Damit fehlen den Förderschulen rechnerisch rund 285 Stellen beziehungsweise Lehrkräfte. Die Förderschulen laufen voll, werden personell geschwächt und seit Jahren planerisch vernachlässigt. Statt verlässlicher Schulentwicklung gibt es vielerorts Container, Außenstellen und Notlösungen. Das ist Mangelverwaltung zulasten der Kinder, ihrer Eltern und der Beschäftigten.
Der sonderpädagogische Förderbedarf muss wieder verbindlich festgestellt werden. Nur wer weiß, welche Kinder welche Unterstützung brauchen, kann Personal, Förderstunden und Lernorte sinnvoll planen. Wer Förderbedarfe nicht verbindlich feststellt, schafft keine moderne Inklusion, sondern verschleiert das tatsächliche Ausmaß der notwendigen Unterstützung.
Hinzu kommt: Bis heute ist weder in einem Gesetz noch in einer Rechtsverordnung festgelegt, wie viele zusätzliche Fachkräfte inklusive Schulen mindestens erhalten müssen. Ohne verbindliche Mindeststandards bleiben Förderung und Personalsteuerung unverlässlich.
Wir fordern deshalb einen Neustart der schulischen Inklusion im Saarland. Dazu gehören eine ehrliche Überprüfung der Inklusionsverordnung, eine verbindliche Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs, gesetzlich geregelte Mindeststandards für die Personalausstattung, mehr Förderschullehrkräfte unmittelbar bei den Kindern, eine klare Abgrenzung der Schulbegleitung, eine bessere personelle und planerische Absicherung der Förderschulen sowie mehr zielgerichtete Förderung bereits vor der Einschulung.
Unser Ziel ist nicht weniger Inklusion, sondern eine wirksame Inklusion, die beim Kind ankommt. Es gilt: So viel gemeinsame Beschulung wie möglich – so viel spezialisierte Förderung wie nötig. Nicht Ideologie darf über den Lernort entscheiden, sondern das Wohl des Kindes und die Qualität der Förderung.
Wir als CDU werden den notwendigen Neustart der schulischen Inklusion weiter konsequent auf die Tagesordnung setzen und eigene Initiativen für wirksame Förderung, mehr Transparenz und starke Förderschulen in den Landtag einbringen.“